Ratgeber

Wenn-Dann Beziehung

Wenn-Dann Sätze in der Erziehung. Oft werden diese benutzt, ohne zu merken was eigentlich dahinter steckt!

 

 

Als Erzieherin und Mutter begegne ich vielen Mamas und Papas. Ob auf der Arbeit, beim Turnen, in der Musikschule oder im ganz normalen Alltag. Ja, auch ich kann mich nicht frei sprechen und erwische mich hier und da mit diesen „bösen“ Worten.

Jeder von euch kennt diese Sätze:

„Wenn du jetzt nicht aufhörst, mit den Autos zu werfen, dann sind sie weg!“

„Wenn du jetzt nicht lieb bist, dann gibt es gleich kein Eis!“

„Wenn du nicht dein Mittagessen isst, dann gibt es keinen Nachtisch!“

„Wenn du jetzt nicht kommst, dann gehe ich ohne dich!“

Da sind sie wieder, diese bösen Worte: „Wenn du das machst, passiert etwas, was dir nicht gefällt!“ Oje, eine Strafe liegt in der Luft. Dem Kind wird dabei immer wieder signalisiert, dass ein anderer darüber zu entscheiden hat, was die „richtige“ Reaktion ist. Dass dieser andere die Macht hat.

Wenn-Dann-Beziehungen bedeuten für mich, dass es nur Liebe gibt, wenn Kinder funktionieren. Neugierde hin, Entdeckerdrang her, es zählt das, was die Eltern sagen. Kein Platz für Aushandeln und Diskutieren.

Dabei können die Kinder oft selbst Entscheidungen treffen, die unseren Vorstellungen entsprechen oder merken schnell, dass ihre Entscheidung nicht die richtige war. Möchte also zum Beispiel das Kind die Jacke nicht anziehen, diskutiert man nicht lange, es wird ja schnell merken, dass es kalt ist und sich dann schnell die Jacke anziehen. Oder wirft das Kind wütend das Eis auf den Boden, wird es feststellen, dass man es dann eben nicht mehr essen kann.

Natürlich bedeutet dies nicht, das wir unsere Kinder an der stark befahrenen Straße zuflüstern, sie sollen doch bitte stehen bleiben und freundlich fragen, ob sie so nett wären und nicht auf die Straße laufen. In manchen Situationen (Gefahrenquellen) sind Eltern gezwungen, spontan die Macht ausszuüben um ihr Kind zu schützen.

Reden hilft doch nicht!

Einige von euch werden denken: „Irgendwie muss ich mein Kind doch erziehen. Es muss doch lernen was Richtig und was Falsch ist und wo die Grenzen liegen. Lange Reden und diskutieren bringt da doch auch nichts.“

Oftmals merken wir gar nicht, wie oft Kinder mit uns kooperieren. Stellt euch mal folgende Situation vor: „Paul, hör bitte auf mit dem Sand zu werfen.“ Er tut es wieder. „Paul, sieh mal, Anne bekommt den Sand in die Augen- das tut ihr weh.“ Und meistens reicht genau das aus. Doch leider ist genau dass für uns selbstverständlich und zeigen dem Kind gar nicht, dass es unsere Bitte erfüllt hat ohne zu diskutieren. Die meisten Wenn-Dann Sätze treten auf, wenn wir das Gefühl haben, unser Kind „hört nicht“. Das Kind hingegen hat das Gefühl immer Kompromisse eingehen zu müssen aber dafür keine Rückmeldung zu bekommen. Das führt dazu, dass es immer weniger Kompromisse eingehen wird. Ein Kreislauf also.

Wenn-Dann? Ist mir doch egal!!

Eltern die Wenn-Dann Sätze verwenden, werden schnell bemerken dass auch das irgendwann nicht mehr hilft. Den Kindern ist die strafe egal und sie hören sehr bald: „Ja, dann mach doch!“. Um das zu machen worauf es gerade lust hat, verzichtet es halt auf seinen Nachtisch oder auf das Fernsehen schauen am Abend. Ist dieser Punkt erreicht, schauen sich die Eltern um! Was soll ich denn jetzt tun? Jetzt wo mein Druckmittel nicht mehr hilft, brauche ich ein stärkeres Druckmittel. Dann können Sätze wie die Folgenden fallen: „Wenn das der Weihnachtsmann erfährt“, „Wenn du nicht mitkommst, dann holt dich später die Polizei.“

Wenn-Dann-Beziehung haben immer etwas von Macht zu tun, also eine stärkere Instanz (Eltern) üben ihre Situation über eine schwächere Instanz (Kinder) aus. Auf Augenhöhe wäre eine Diskussion möglich, ein Aushandlungsprozess, dass auch Kindern ermöglicht daran zu wachsen.

Warum fällt es uns so schwer, unsere Kinder einfach um etwas zu bitten, ihnen die Wahl zu lassen und damit ihre Persönlichkeit wahrhaftig Ernst zu nehmen. Ganz klar: weil wir Angst vor einer Absage, einem Nein, der Nichterfüllung unserer Bitte, unseres Wunsches haben. Aber: damit müssen wir leben (können).

Mein Fazit:

Habt den Mut, so zu erziehen wie ihr es für richtig haltet. Denn andere sehen das mitunter anders und vertreten die Ansicht: „Was ich als Erwachsener sag, hat ein Kind gefälligst zu tun.“ Woher kommt die Ansicht eines Erwachsenen, er habe die Macht über das Kind? Nur weil es kleiner, schwächer oder uns unterlegen ist?

Lasst euch auf eure Kinder ein. Hört Ihnen zu. Kommuniziert mit Ihnen und hört euch deren Argumente an. Manipuliert sie nicht. Ihr werdet Augen machen, wie ihr Kind reagiert, kommuniziert und Argumente finden wird. Probiert es einfach mal aus

Nochmal Kurz und knapp ein paar Tipps:

  • Ein „Nein“ nur dann wenn es nötig ist
  • sag klar, was du erwartest
  • lass natürliche Konsequenzen Folgen
  • erkenne stets Positives an
  • biete deinem Kind Hilfe an
  • gib auch mal nach
  • Findet kompromisse
  • begründe so, dass das Kind es verstehen kann
  • gib deinem Kind die Zeit, die es braucht
  • sei bereit deine Fehler zuzugeben.
  • sei ein Vorbild

In diesem Sinne:

WENN ihr wieder rein schaut, DANN freue ich mich :p

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